Denk ich an Deutschland in der Nacht …

January 04, 2021

 

... oder was ist meine Heimat?

 


Hitler, Krieg, Rassenwahn, Gestapo, Vernichtung?

oder:

Wirtschaftswunder, Berufsverbote, Wiederbewaffnung und Farbfernseher?

oder:

Wiedervereinigung, Beteiligung an illegalen Kriegen, (schon wieder), EU-Korruption, Flüchtlingskrise?

oder:

der Mehltau, unter dem eine DDR-geschulte Kanzlerin das Land langsam erstickt hat?

oder:

der Virologe mit den fettigen Haaren, narzisstischer Erfinder eines fantasievollen Viren-Tests, wieder einmal ein kleiner korrupter Deutscher als erster Handlanger eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit?

oder:

schon wieder die Blockwarte, die Denunzianten, die Tue-recht-und-scheue-niemand, die Gutmenschen, die Maskenmaulkorbträger, die Abnicker, die Fernsehzuschauer, die Spiegelleser?

oder:

die Kriegsbereitschaft einer grünen Partei, (die ich einmal gewählt habe), die regierungsfrommen Linken, die speichelleckenden Medien, die schweigenden  Intellektuellen?

 

Dies soll mein Land sein?

 

Ich spaziere durch Nacht und Nässe, fröstle unter dem Anorak, Graupelschauer hinterlassen rutschige Stellen auf dem Boden.

Der Lago Maggiore unter mir ist kaum sichtbar, vage kann ich die Schneefelder der gegenüberliegenden Berge ausmachen.

Hier lebe ich, aber die Schweiz ist nicht meine Heimat.

Nach Deutschland zwingen mich nur noch Verpflichtungen. Das Land stösst mich ab.

Ich spüre die Trauer darüber, sie ist Teil meines Wesens, sogar meines Leibes, tief verwoben mit mir, spürbar allerdings nur bei stillem Nachfühlen. Ich bin Deutsche.

Darf man trauern über sein Heimatland? Ist es uns Deutschen gestattet, ein Heimatland zu fühlen?

Eine Xenie kommt mir in den Sinn. Xenien sind kleine, provozierende Verse, die Goethe und Schiller miteinander verfasst haben.

«Zur Nation euch zu bilden, ihr hoffet es, Deutsche, vergebens, bildet, ihr könnt es, dafür freier zu Menschen euch aus»

Welch wahre Vorausschau der beiden Granden.

Im Politischen haben wir kläglich versagt. Seit Bestehen «Deutschlands» 1871 sechs verschiedene Staatsformen verbraucht, sechs Mal versucht, eine starke Nation zu werden.


Es wird uns niemals gelingen, in der großen Politik mitzuspielen, ohne hässlich zu werden.

Was wäre die Alternative?

Freier zu Menschen uns bilden.

Plötzlich purzeln all die Namen unsortiert in meinen Geist:

Goethe, Schiller, Bach, Beethoven, Fichte, Herder, Schoppenhauer, Hölderlin, Paul Gerhard, Kant, Annette von Droste-Hülsoff, Mozart, Friedrich Schlegel, Matthias Claudius, Otto Dix, Ricarda Huch, Max Liebermann, Rilke, Heinrich Heine, Hermann Hesse, Berta von Suttner, Franz Marc, Christa Wolf, Ingeborg Bachmann, Marie von Ebner-Eschenbach, Fanny und Felix Mendelsohn-Bartholdy, Sarah Kirsch, Hannah Arendt, Kurt Tucholsky, Franz Kafka, Franz Werfel, Gustav Mahler, Richard Strauss, Stefan Zweig, Arnold Zweig, Nelly Sachs, Thomas, Heinrich, Klaus und Erika Mann, Walter Benjamin,

Auch das ist Deutschland.

Stolz? Nein, das wäre ungebührlich. Ich habe ja nichts dazu beigetragen.

Vielleicht müsste das, wonach wir laut unserer Nationalhymne "alle streben" sollten, ein klein wenig abgeändert werden:

nämlich nach Freiheit. Menschsein. Bildung.

Das könnte ein Deutschland werden, dem ich gerne zugehörte.

 

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